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WhatsApp und Medien: Diskussion bei Netzwerk Recherche

Auf der Jahrestagung von Netzwerk Recherche (3. bis 4. Juli 2015 in Hamburg) moderiere ich eine Diskussion zum Thema “Mobile News — Können Medien ihre Leser mit WhatsApp erreichen?” Von ihren Erfahrungen berichten dort Daniel Stahl (Heilbronner Stimme) und Konrad Weber (SRF). Organisiert hat die Diskussion Christina Elmer (Spiegel Online).

An andere Stelle habe ich schon mal Grundlegendes zum Thema Medien und WhatsApp notiert.

Ein Mann, ein Tweet, eine Mission

“Immer noch wahr”: Seit zwei Jahren setzt Christian Stöcker jeden Freitag den gleichen Tweet ab. Was treibt den Ressortleiter Netzwelt von Spiegel Online?

Immer noch wahr: http://t.co/1gHCqNULOV Still true: http://t.co/8sqdHTbnVX #prism #tempora

— Christian Stöcker (@ChrisStoecker) 5. Juni 2015

Für ZAPP habe ich darüber mit ihm gesprochen.

 

Quellenschutz und VDS: Bei Journalisten-Daten bitte Augen zu!

Für ZAPP habe ich mich gefragt, wie das dem “Verwendungsverbot” für Daten von Journalisten und anderen Berufsgeheimnisträgern bei der Neuaflage der Vorratsdatenspeicherung funktionieren soll – und habe gestaunt, wie geharnischt die Stellungnahme der Bundesdatenschutzbeauftragten Andrea Voßhoff zum Gesetztentwurf der Großen Koalition ausgefallen ist.

Ist aufgrund einer nicht rechtzeitig erkannten Zuordnung eines erfassten Metadatums die Kommunikation von oder mit einem Berufsgeheimnisträger erst einmal in das Verfahren oder in die Akten eingeflossen, bietet die Strafprozessordnung nur wenig Schutz.

Der Ex-Verfassungsgerichtsvorsitzende zur Vorratsdatenspeicherung

Die Pläne der Bundesregierung für eine erneute Einführung der Vorratsdatenspeicherung haben einen Internet-Nutzer dazu veranlasst, an ein Zitat des ehemaligen Bundesverfassungsgerichtspräsidenten Ernst Benda zu erinnern.

Einen Staat, der mit der Erklärung, er wolle Straftaten verhindern, seine Bürger ständig überwacht, kann man als Polizeistaat bezeichnen.

Bei Twitter sammelte der Ausspruch kräftig Favs und Retweets. Mir kam das Zitat gleich bekannt vor – aus einer Antwort in einem Interview, das ich 2007 für tagesschau.de mit dem mittlerweile verstorbenen Benda geführt habe (Teil 1, Teil 2). Anlass war damals das die bevorstehende Entscheidung des Bundesverfassungsgerichts zur Vorratsdatenspeicherung – schließlich hatten die Karlsruher Richter unter Bendas Vorsitz 1983 sein berühmtes Urteil zur Volkszählung gefällt und das Recht auf informationelle Selbstbestimmung herausgearbeitet. Ich will nicht ausschließen, dass Benda diese Formulierung noch an anderer Stelle gebraucht hat. Mir ist das aber nicht bekannt, und ich halte es auch für eher unwahrscheinlich. Auf jeden Fall hat sich das Zitat seitdem schon ziemlich verbreitet und wurde an verschiedenen Stellen aufgegriffen (zum Beispiel Bundeszentrale für politische Bildung, Wikiquote, die Linke, weitere Google-Treffer hier). Ich habe es also auch noch einmal auf die Reise geschickt:

Das Interview mit dem seinerzeit schon alten Benda ist mir durch seine präzisen, abwägenden Antworten im Gedächtnis geblieben. Vollständig lautet die zitierte Stelle so:

tagesschau.de: Aber einem völlig unauffälligen potenziellen Straftäter könnten wir auch mit Vorratsdatenspeicherung kaum auf die Spur kommen. Die Kritiker meinen, stattdessen werde jeder Bürger unter einen Generalverdacht gestellt.

Benda: Ein vollkommen richtiges Gegenargument. Einen Staat, der mit der Erklärung, er wolle Straftaten verhindern, seine Bürger ständig überwacht, kann man als Polizeistaat bezeichnen. Den Polizei- oder Überwachungsstaat wollen wir nicht. Aber wir wollen, dass der Staat seine Sicherheitsaufgaben angemessen erfüllt. Zwischen diesen beiden Polen ist der Mittelweg zu suchen – eine Entscheidung, die in einem Polizeistaat sicherlich leichter fiele. Andererseits haben die vorliegenden Modelle von Staaten, die man als Polizeistaaten bezeichnen kann, es auch nicht besser geschafft als die freiheitlichen Demokratien, die Sicherheit ihrer Bürger zu gewährleisten – manchmal sogar im Gegenteil.

Journalisten und die Angst vor dem V-Wort

Vor kurzem beschäftigte sich das News Impact Summit in Hamburg, organisiert vom European Journalism Centre und Google, mit der Verwendung von Social-Media-Inhalten durch Journalisten, insbesondere deren Überprüfung, sprich der Verifikation von (angeblichen) Augenzeugen-Berichten.


Mehr dazu von mir gibt es bei ZAPP (“Der Wilde Westen der Internet-Augenzeugen”) und eher praktisch orientiert bei N-JOY (“Mit fünf Fragen Foto-Fakes entlarven”).

Ein schönes Zitat, dass den Unterschied zwischen medienethischen Sonntagsreden und dem Alltag am journalistischen Fließband verdeutlicht, hat es in keinen beiden Texte geschafft:

Noch mehr ausgewählte Tweets zur Veranstaltung hat Peter Jebsen gesammelt.

Was geht mit WhatsApp?

Für ZAPP habe ich kurz notiert, welche Fragen sich Medien stellen müssen, wenn ein neuer Kanal wie WhatsApp am Horizont erscheint. Ein Film der Kolleginnen Caroline Ebner und Kathrin Drehkopf stellt das Beispiel der “Heilbronner Stimme”  vor, die zum 70. Jahrestag eines verheerenden Bombenangriffs auf die Stadt die Geschehnisse von damals per WhatsApp nach erzählt haben.

Social Media Week Hamburg

Am 24. Februar bin ich auf der Social Media Week zu einer Diskussion mit dem schönen Titel “Warum twitterst du denn so viel?” eingeladen. Der NDR ist Medienpartner und organisiert selbst noch einige weitere Veranstaltungen im Rahmen der SMWHH.