Archive for the 'Politik' Category

Interviews via Facebook Live vom Netzwerk Recherche

Das haben wir bei ZAPP mal ausprobiert – zur Abwechslung auch mal mit mir als Reporter vor der Kamera. Gesprochen habe ich mit Michael Würz, Online-Redakteur bei der Zollern-Alb-Zeitung, über seine Recherchen zu Flüchtlingsgerüchten und mit Kuno Haberbusch vom Netzwerk Recherche über die Veranstaltung.

Mehr zum Thema

Wer hat dieses Foto gemacht? | Who took this photo?

Update, 28.03.2015
Recherche war erfolgreich – Quelle gefunden.
Research was sucessfull – source has been found

Western child meets Indian children | Blondes Kind trifft indische Kinder | Fotograf: Unbekannt

Fotograf: unbekannt | Photographer: unknown.

Woher stammt das Bild, das Erika Steinbach in ihrem umstrittenen Tweet verwendete?

(English version below)

Mit diesem Tweet sorgte die CDU-Politikerin Erika Steinbach, im Bundestag Sprecherin ihrer Fraktion für Menschenrechte und Humanitäre Hilfe sowie langjährige Präsidentin des Vertriebenenbundes, für Aufsehen: Parteiübergreifende warfen Kritiker Steinbach vor, angesichts der Flüchtlingskrise Angst vor Fremden zu schüren, während sich andere Twitter-Nutzer bestätigt fühlten und auf Like und Retweet klickten:

 

Fotograf gesucht

Haben Sie Hinweise zur Originalquelle dieses Bildes? Das Foto der Begegnung eines hellhäutigen (höchstwahrscheinlich westlichen) Kindes mit blonden Locken mit einer Gruppen von dunkelhäutigen (mutmaßlich indischen) Kindern und Jugendlichen findet sich seit Jahren im Netz.

Meine bisherige Recherche für ZAPP ergab, dass das Bild bereits im Januar 2012 auf mehreren Websites kursierte, die lustige oder spektakuläre Bildern sammeln und mit Urheberrechten eher lax umgehen („picture dumps“). Von dort scheint es seinen Weg auf andere Seiten gefunden zu haben, die damit Themen wie „Kulturschock“, „Fremde in Indien“ oder „Begegnung von Kulturen“ illustrieren.

Schon kurz danach wurde es einerseits in dieser Gegenüberstellung mit einem anderem Foto verbreitet (inkl. BuzzFeed), und andererseits mit ähnlichen Bildunterschriften wie bei Steinbach in verschiedenen europäischen Länden zur Stimmungsmache gegen Migranten eingesetzt. Das lässt sich mit Funktionen zur umgekehrten Bildersuche von Google oder Tineye schnell herausfinden.
"Intanto in Italia nel 2030"


Die Originalquelle des Bildes konnte ich jedoch bisher nicht ausfindig machen. Das ist auch Eric Hennekam nicht gelungen, der bereits seit 2012 auf der Suche nach dem Fotografen ist. Daher die Frage:

Kennen Sie die den Fotografen oder eine der abgebildeten Versionen?

Wenn Sie Hinweise haben, melden Sie sich bitte unter pic@netzjournalismus.de

Recherche-Zwischenstand:Vermutungen zur Herkunft des Bildes

  • Es könnte sich bei der ursprünglichen Quelle nicht um ein Foto, sondern um ein Standbild aus einem Video gehandelt haben.
  • Dass es sich bei dem Originalbild um einen Montage handelt, ist nicht auszuschließen. Deutliche Anzeichen dafür gibt es aber auch nicht
  • Die Kleidung der Personen weist nach meiner Recherche eher auf Südindien hin, aber auch andere Regionen wurden genannt.
  • Es gab mehrere Hinweisgeber, die sich undeutlich an Blogs/Reportagen/Dokumentationen von bzw. über Familien auf Weltreise/-umsegelung zu erinnerten glaubten. Einige Hinweise davon habe ich bereits überprüft.
  • Andere meinten, dass das Bild aus einer Reportage über Albinos in Indien stammten könnte. Das halte ich aufgrund der Aufnahmesituation, der westlich aussehenden Kleidung des blonden Kindes und der Crocs an seinen Füßen für ziemlich unwahrscheinlich.


Who took this photo?

Russian propaganda version of picture with blonde childe and dark-skinned children

Do you know the original source of this picture? This image of a light-skinned – most likely Western – child – and a group of dark-skinned – most likely Indian – children and teenagers appeared on the web as early as January 2012.

I tracked it down to a few „picture dumps“, collecting funny or awe-inspiring photographs. From, there, it seems to have spread internationally. Mostly to illustrate themes such as „India“ or „culture shock“.

But the photo is also in widespread use for racist propaganda against migrants on web sites and social media across Europe by adding a caption suggesting that their respective country (Germany, Russia, Sweden, Italy etc.) will be overrun by dark-skinned people in 2030 (or 2050). We can safely assume that no one has asked the creator of the image or the children depicted if they are okay with it.

This is why I want to find out the original context and creator of the picture. As I found out out, Dutch researcher Eric Hennekam has been looking for the photographer since April 2012 – no luck, either.

Do you know the original photographer? Do you recognize anyone in the picture?

If you have any information or suggestions for my research, please contact pic@netzjournalismus.de

Possible leads

  • It‘s possible that the image was taken from video footage.
  • No obvious clues that the original picture was photoshopped, but not completely ruled out.
  • Several sources told me that the clothing of the persons in the picture points towards Southern India.
  • A number of people more or less vaguely remembered a blog / report / documentary about a family travelling/sailing around the world. Some of them turned out to be false.
  • A story on albinos in India? I don’t think that’s very likely, given the blonde child’s clothing and shoes (Crocs).

Radio-Diskussion über Hass-Kommentare und Diskussionkultur

Am 24.01. bin ich ab 18:05 Uhr zu Gast in der Radiosendung „Zur Sache“ (NDR 1 Welle Nord). Mit dem Bundestagsabgeordneten Konstantin von Notz (Grüne), dem Medienwissenschaftler Christian Möller und Hörern diskutiere ich über die Diskussionskultur im Netz, Anonymität, Klarnamen und was sonst noch so dazu gehört. Moderator ist Constantin Gill, der Hashtag lautet #ZurSache.

Kommentar: Das unbelegte Sicherheitsversprechen Vorratsdatenspeicherung

Bei NDR Info durfte ich am Freitag die Verabschiedung des Gesetzes zur Vorratsdatenspeicherung kommentieren:

Da ist sie also wieder: die Vorratsdatenspeicherung. Ein Sicherheits-Placebo, den uns schwarz-rote Innenpolitiker jahrelang versprochen hatten – gegen den Rat vieler Fachleute.

Denn es fehlen immer noch Nachweise dafür, ob die flächendeckende Speicherung von Telefon- und Internet-Daten wirklich einen nennenswerten Beitrag zur Verbrechensaufklärung leistet. (mehr)

Ein Mann, ein Tweet, eine Mission

„Immer noch wahr“: Seit zwei Jahren setzt Christian Stöcker jeden Freitag den gleichen Tweet ab. Was treibt den Ressortleiter Netzwelt von Spiegel Online?

Immer noch wahr: http://t.co/1gHCqNULOV Still true: http://t.co/8sqdHTbnVX #prism #tempora

— Christian Stöcker (@ChrisStoecker) 5. Juni 2015

Für ZAPP habe ich darüber mit ihm gesprochen.

 

Quellenschutz und VDS: Bei Journalisten-Daten bitte Augen zu!

Für ZAPP habe ich mich gefragt, wie das dem „Verwendungsverbot“ für Daten von Journalisten und anderen Berufsgeheimnisträgern bei der Neuaflage der Vorratsdatenspeicherung funktionieren soll – und habe gestaunt, wie geharnischt die Stellungnahme der Bundesdatenschutzbeauftragten Andrea Voßhoff zum Gesetztentwurf der Großen Koalition ausgefallen ist.

Ist aufgrund einer nicht rechtzeitig erkannten Zuordnung eines erfassten Metadatums die Kommunikation von oder mit einem Berufsgeheimnisträger erst einmal in das Verfahren oder in die Akten eingeflossen, bietet die Strafprozessordnung nur wenig Schutz.

Der Ex-Verfassungsgerichtsvorsitzende zur Vorratsdatenspeicherung

Die Pläne der Bundesregierung für eine erneute Einführung der Vorratsdatenspeicherung haben einen Internet-Nutzer dazu veranlasst, an ein Zitat des ehemaligen Bundesverfassungsgerichtspräsidenten Ernst Benda zu erinnern.

Einen Staat, der mit der Erklärung, er wolle Straftaten verhindern, seine Bürger ständig überwacht, kann man als Polizeistaat bezeichnen.

Bei Twitter sammelte der Ausspruch kräftig Favs und Retweets. Mir kam das Zitat gleich bekannt vor – aus einer Antwort in einem Interview, das ich 2007 für tagesschau.de mit dem mittlerweile verstorbenen Benda geführt habe (Teil 1, Teil 2). Anlass war damals das die bevorstehende Entscheidung des Bundesverfassungsgerichts zur Vorratsdatenspeicherung – schließlich hatten die Karlsruher Richter unter Bendas Vorsitz 1983 sein berühmtes Urteil zur Volkszählung gefällt und das Recht auf informationelle Selbstbestimmung herausgearbeitet. Ich will nicht ausschließen, dass Benda diese Formulierung noch an anderer Stelle gebraucht hat. Mir ist das aber nicht bekannt, und ich halte es auch für eher unwahrscheinlich. Auf jeden Fall hat sich das Zitat seitdem schon ziemlich verbreitet und wurde an verschiedenen Stellen aufgegriffen (zum Beispiel Bundeszentrale für politische Bildung, Wikiquote, die Linke, weitere Google-Treffer hier). Ich habe es also auch noch einmal auf die Reise geschickt:

Das Interview mit dem seinerzeit schon alten Benda ist mir durch seine präzisen, abwägenden Antworten im Gedächtnis geblieben. Vollständig lautet die zitierte Stelle so:

tagesschau.de: Aber einem völlig unauffälligen potenziellen Straftäter könnten wir auch mit Vorratsdatenspeicherung kaum auf die Spur kommen. Die Kritiker meinen, stattdessen werde jeder Bürger unter einen Generalverdacht gestellt.

Benda: Ein vollkommen richtiges Gegenargument. Einen Staat, der mit der Erklärung, er wolle Straftaten verhindern, seine Bürger ständig überwacht, kann man als Polizeistaat bezeichnen. Den Polizei- oder Überwachungsstaat wollen wir nicht. Aber wir wollen, dass der Staat seine Sicherheitsaufgaben angemessen erfüllt. Zwischen diesen beiden Polen ist der Mittelweg zu suchen – eine Entscheidung, die in einem Polizeistaat sicherlich leichter fiele. Andererseits haben die vorliegenden Modelle von Staaten, die man als Polizeistaaten bezeichnen kann, es auch nicht besser geschafft als die freiheitlichen Demokratien, die Sicherheit ihrer Bürger zu gewährleisten – manchmal sogar im Gegenteil.