Archive for the 'Weiteres' Category

Mit Smartphone-Videoclip aufs Filmfestival

Der freudige Anlass gestattet die etwas großsprecherische Überschrift: Meine mit dem Smartphone dokumentierte Randszene der Hamburger Demonstration vom 21. Dezember 2013 (“Beamten-Ballet”) ist die Basis für den Trailer der 11. Dokumentarfilmwoche Hamburg geworden:

Die Veranstalter schreiben dazu:

Wir finden, dass er so manche Begebenheit der letzten Monate in dieser Stadt ganz gut und ohne weiteren Kommentar auf den Punkt bringt. Während des Festivals wird es allerdings nicht bei diesem einen Trailer bleiben. Nachdem Fiete Stegers den Clip nach der Demonstration vom 21.12.2013 auf seiner Homepage veröffentlicht hat, ging im Anschluss das große Remixen los. Die besten Remixe werden wir an den Festivaltagen an Stelle des Originals einsetzen und wer weiß – vielleicht kommen ja sogar jetzt noch welche dazu…

Die Entdeckung der Klobürste – aber wer ist der Erfinder?

Am Dienstag wunderte ich mich über eine Szene in einem Beitrag des ARD-Nachtmagazins über das Hamburger Gefahrengebiet. Sie zeigte die Durchsuchung eines mit erhobenen Mannes an ein Polizeifahrzeug gestellten Mannes am Montagabend:

 

Gekreuzte Klobürsten am Yoko Mono

Auf Twitter war ich damit laut Topsy einer der ersten, soweit sich das nachhalten lässt.
Den weiteren Weg der Klobürste zum Internet-Mem und Protestsymbol im Gefahrgebiet habe ich im ZAPP-Blog nachgezeichnet.

In den nächsten Stunden erscheint auf Twitter ein Foto, dass den wahrscheinlich ebenso verdutzen Beamten mit der Klobürste in der Hand zeigt. Bildunterschrift: “Bulle mit Klobürste in der Hand in der Tagesschau: Priceless”. Mehr als hundert Twitter-Nutzer verteilen das Foto weiter. Außerdem wird die Klobürste in ein bekanntes Bild des Streetart-Künstlers Banksy montiert, bei dem schon im Original ein Autonomer statt eines Böllers oder Pflastersteins einen Blumenstrauß wirft. Im St.-Pauli-Piratenlogo ersetzen Klobürsten die gekreuzten Knochen. Auch ein Ausschnitt des Videos wird in Sozialen Netzwerken weitergereicht.

Am Dienstagabend begegnet mir die Klobürste abends im Schanzenviertel auf der Straße: Ein Demonstrant trägt sie demonstrativ in der Hand.

Demonstrant mit KlobürsteAuch das ARD-Nachtmagazin greift das Thema noch einmal auf, inklusive O-Ton von mir. In einem Interview mit der BR-Jugendwelle Puls erläuterte ich das Thema ausführlich.

Andere Medien sind inzwischen auch eingestiegen, dpa verbreitet das St.-Pauli-Klobürstenlogo (Ursprung konnte ich nicht zweifelsfrei klären) über seinen Bilderdienst. Am Samstag ist die Klobürste bei einem “Brushmob” auf St. Pauli allgegenwärtig. Eine Frage aber bleibt:

Wer hat sich aber tatsächlich als erster eine Klobürste in den Hosenbund geschoben?

Trotz Film- und Fotokameras ist der Kontrollierte unbekannt. Was hat ihn dazu bewogen – wirklich die Spiegel-Geschichte über Klobürsten für die Elbphilharmonie zum Stückpreis von 292 Euro (die dann doch nicht bestellt wurden), wie manche vermuten? Stammt die Idee woanders her? Haben die Polizisten die Klobürste konfisziert? Das würde mich interessieren

Wenn sich jemand bei der von einer Bildagentur gefilmten und im Nachtmagazin gefilmten Szene erkennt oder Kontakt vermitteln, kann er oder sie sich gerne bei mir melden, natürlich vertraulich.


Hamburger Polizei-Ballett: I got remixed!

Gestern habe ich einen unbedeutenden, aber auf seine Art vielsagenden Nebenaspekt der Rote-Flora-Demonstration in Hamburg mit dem Smartphone festgehalten.

Das Video wurde unter anderem vom (stark frequentierten) Hamburger Lokalblog Mittendrin und von Extra 3 verlinkt – und reizte offenbar zum Remixen.

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Ein Wortlaut-Protokoll in 6 Variationen

Natürlich, Journalisten sind keine Stenographen und im Print-Journalismus ist das sprachliche Glätten von Zitaten Alltag. Aber es ist schon faszinierend, wie deutlich bei verschiedenen Medien die wörtliche Wiedergabe eines offenbar sehr einprägsamen Zusammenstoßes zwischen dem Vater des toten NSU-Terroristen Uwe Mundlos und dem Vorsitzenden Richter Götzl im Detail voneinander abweicht.

tagesschau.de:

Als Götzl ihn laut zurechtweist, wird Mundlos patzig und verlangt nicht nur als Doktor, sondern auch als Professor angeredet zu werden.

Süddeutsche.de:

Mundlos nennt Götzl später auch noch “arrogant”, und im Übrigen möchte er bitte mit “Herr Professor” angesprochen werden. Götzl bleibt jedoch bei der Anrede “Herr Doktor Mundlos”.

Stern.de:

“Sie könnten mich ruhig Professor Mundlos nennen.” Götzls Reaktion: “Nein, ich nenne sie Doktor Mundlos, ich nenne Sie bei Ihrem Namen.”

FAZ:

“Sie müssen mich Professor Mundlos nennen.“ – „Nein, das muss ich nicht Herr Dr. Mundlos.“ – „Doch das müssen Sie, ich bin durchaus berechtigt, den Titel noch zu führen.“

Spiegel Online:

Mundlos erbost: “Was fällt Ihnen ein, mich so anzugehen? Sie können mich ruhig Professor Mundlos nennen!”
“Ich nenne Sie Dr. Mundlos, das ist Ihr Name!”
Mundlos nennt Götzl später auch noch “arrogant”, und im Übrigen möchte er bitte mit “Herr Professor” angesprochen werden. Götzl bleibt jedoch bei der Anrede “Herr Doktor Mundlos”.

Welt:

“Nennen Sie mich gefälligst Professor Mundlos.” Götzl verweigert das, bleibt beim “Doktor”. Und wird prompt vom emeritierten Professor als arrogant bezeichnet.

Die Zeit geht auf diesen Teil des Wortwechsels gar nicht näher ein, die taz konzentriert sich auf den inhaltlichen Teil der Zeugenaussage.

Nachtrag
Das SZ-Magazin hat in Heft 1/2014 ein ausführliches Wortprotokoll großer Teile des Prozesses veröffentlicht. Die Szene darin: (gleiche Autoren wie sueddeutsche.de)

Götzl: Wieso haben Sie das nicht mit Ihrem Sohn besprochen?
Mundlos: Sie sind ein Klugsch…
Götzl: (Unterbricht.) Was fällt Ihnen ein! Mich so anzugehen! Noch einmal, und Sie müssen mit Ordnungsmitteln rechnen, Herr Doktor Mundlos.
Mundlos: Sie dürfen mich ruhig Professor nennen.

Ein Bischof fliegt (nach Rom)

… oder doch nicht? Bei den Kollegen des Hessischen Rundfunks las sich die Nachrichtenlage heute so:

Am Samstag um 16.35 Uhr sollte Bischof Tebartz-van Elst mit dem Lufthansa-Flug LH 238 nach Rom abheben, wie die “Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung” (FAS) am Samstag vorab berichtet hatte. Der Rückflug sei für Donnerstag geplant. Während sich am Samstagnachmittag immer mehr Journalisten am Frankfurter Flughafen einfanden, wuchsen aber die Zweifel daran, dass der Bischof den Flieger wie berichtet nehmen wird. “Der Bischof sitzt in seinem Arbeitszimmer”, sagte ein Sprecher von Tebartz-van Elst um 14.45 Uhr zu hr-online. Ob der Bischof noch am Samstag nach Rom fliegen werde, später, oder überhaupt, dazu wollte sich der Sprecher nicht äußern.

Zur Abflugzeit, um 16.35 Uhr, war der Sprecher des Bischofs telefonisch nicht mehr zu erreichen.

Besagter Lufthansa-Flug ist kurz vor Rom, wie sich bei Kenntnis der Flugnummer zum Beispiel via Flightradar24 verfolgen lässt. Ob der Bischof aber auch tatsächlich an Bord ist? Anders als im Fall von Edward Snowden gibt’s wohl noch kein Bild eines leeren Sitzes, das mitreisende Journalisten gemacht haben. Man kann sich also nur so seine Gedanken machen:

Screenshot [Montage] von SeatGuru, Bischofswappen aus Wikipedia unter Creative Commons BY-SA (kein Autor genannt)

Die Nachrichtenlage kann sich aber natürlich auch anders entwickeln.

Aus aktuellem Anlass: GHCQ Bude, Devon

Die britische Abhörstation in Bude, Devon

Deutsche Telekom: 2 MBit/Sekunde ist auch nicht besser

Heute ging’s bei mir um das vermeintlich verbraucherfreundliche teilweise Abrücken der Deutschen Telekom von ihren DSL-Drosselplänen, das ich für ein taktisches Manöver halte, um die Diskussion etwas abzukühlen:

• ZAPP-Blog: Die Drosselung der Drosselung macht sie nicht besser

• zitiert bei tagesschau.de: Telekom bremst weniger scharf

Gespräch bei NDR Info zu den Folgen für Verbraucher