Archive for the 'Weiteres' Category

Netzwerk Recherche: Steinbach reloaded

Mein Vortrag zu Beispielen der Quellenprüfung und Verifikation beim Jahrestreffen von Netzwerk Recherche 2016 (ab 27:19 min – Direktlink)

Hauptsächlich behandelt mein Part meine erfolgreiche Recherche nach dem Ursprung des umstrittenen von Erika Steinbach getwitterten Bildes. Aus diesem Anlass habe ich bei onlinejournalismus.de noch mal Steinbachs Twitter-Reaktionen auf die Recherche zusammengefasst – unsere Interviewanfrage von ZAPP hatte sie ja leider abgelehnt.

Links
• Für den Schnellcheck nach möglichen Bildmanipulationen: Fotoforensic.com
• Checklisten von First Draft News zur Bildverifikation für Fotos bzw. Videos

Beantwortet: Wer sind die Kinder auf dem von Erika Steinbach gewitterten Bild?

(English version below)
Meine Recherche mit Crowdsourcing-Aufruf war erfolgreich: Ich habe die Personen auf einem im Internet verbreiteten Bild identifiziert, mit dem in Foren, sozialen Netzwerken und auf rechten Websites Angst vor Überfremdung in Europa geschürt wird – ohne Wissen und Erlaubnis der abgebildeten Personen. Aufsehen hatte das Bild dadurch erregt, dass es in Form einer Montage mit dem Text „Deutschland 2030 – Woher kommst du denn?“ unter anderem von der CDU-Politikerin Erika Steinbach auf Twitter verbreitet wurde.

Quelle des Original-Fotos gefunden

Es handelt sich um ein Foto aus einem Kinderheim in Chennai in Südindien, entstanden während des Indien-Urlaubs einer australischen Familie. Deren damals 18 Monate alter Sohn ist das blonde, westlich aussehende Kind in der Bildmitte, wie mir die Familie bestätigte. Die Eltern hatten das Bild im Januar 2012 auf einer Fotoplattform gepostet.

Die Betroffenen sind entsetzt, wie sie im Interview für meinen Beitrag beim NDR Medienmagazin ZAPP (hier das Sendungsvideo) sagten.

Die Geschichte des Fotos wurde auf Basis meiner Recherche unter anderem von „Spiegel Online“ sowie zahlreichen weiteren Medien aufgegriffen.

Mehr zur Recherche im Tagesschau-Interview

Den Verlauf meiner Recherche und die Reaktion von Familie und Waisenhaus habe ich auch in einem zweiteiligen Video-Interview für die Facebook-Seite der Tagesschau beschrieben.

Live-Chat: Die Geschichte hinter dem umstrittenen Twitter-Foto von Erika Steinbach. NDR-Reporter Fiete Stegers hat die Urheber des Fotos gefunden.+++Update: Unser Live-Chat ist beendet. Weitere Infos seiner Recherche finden Sie hier: www.ndr.de/nachrichten/netzwelt/Ausgegraben-Der-Ursprung-des-Steinbach-Bildes,twitterbild120.html

Posted by tagesschau on Thursday, March 24, 2016

Live-Chat #2: Die Geschichte hinter dem umstrittenen Twitter-Foto von Erika Steinbach. NDR-Reporter Fiete Stegers hat die Urheber des Fotos gefunden.+++Update: Unser Live-Chat ist beendet. Weitere Infos zur seiner Recherche finden Sie hier: www.ndr.de/nachrichten/netzwelt/Ausgegraben-Der-Ursprung-des-Steinbach-Bildes,twitterbild120.html

Posted by tagesschau on Thursday, March 24, 2016

Wer mitgeholfen hat

Mein Dank für die Unterstützung der Suche nach der ursprünglichen Quelle des Bildes geht an: Sebastian Lasse (Auslöser), Jürgen Webermann und das ARD-Hörfunkstudio Neu-Delhi, Christian Spielkamp, Merlin Schrader, Manuel Daubenberger, Christoph Heinzle und mehrere andere NDR-Kollegen, Eric Hennekam (der bereits seit 2012 nach dem Fotografen gesucht hatte und seine Recherchergebnisse teilte) und Henk van Ess aus den Niederlanden, Roman Mischel, Stephan Fritsch sowie allen anderen, die Hinweise gegeben oder den Suchaufruf weiterverbreitet habe.

The original source of a picture abused for racial smear on the net

Maybe you have seen the image, showing a little child with curly blonde hair and number of elder, Indian looking children. It has been in use on the internet for years to stir fear of a „migrant takeover“ across websites and social networks in different European countries by adding captions such as „Italia 2030“, „Sverige 2030“, „Nederland 2030“, „Россия 2050“ (sic), implying that these country would have majority of dark-skinned inhabitants by then.

In Germany, it let to political controversy when Christian Democratic MP Erika Steinbach tweeted the image accompanied by text saying „Germany 2030. And where are you from?“, earning widespread criticism from people considering this racist, even within her own party.

Both the Australian family whose holiday picture used as well as the children’s home in Chennai where the picture was taken were shocked when they learned through my research how their picture was used.

Here’s my story in German for public broadcaster NDR, my employer. Here’s a rough Google translation of the article.

Searching for the source

I had assumed that neither Steinbach or anyone else before had asked the creator of the image or the children depicted if they are okay with it. So I tried to find the original source of the picture. I tracked it down to a few „picture dumps“, collecting funny or awe-inspiring photographs. From, there, it seems to have spread internationally. Mostly to illustrate themes such as „India“ or „culture shock“ – but quite quickly it was also missused.

Yet the original source remained a mystery. Meanwhile, I had added a crowdsourcing effort to my research. A number of people said they vaguely remembered seeing the image in article or documentary film about albinos in India (which I considered unlikely) or a family traveling the world, so I followed a number of leads there which turned out to be false.

But in the end, a user tipped me off to a Russian language forum. There, the picture was posted in including the link to what appeared to be the original posting in the user’s section of an American magazine.

The person who uploaded the picture did not seem to be an active user there, but through another channel I managed to finally get in touch with him and his wife in Australia who told me that the blonde boy on the picture was indeed their son.

Also, the manager of the the children’s home in Chennai confirmed that these were indeed some of their students.

Chaos Communication Congress

Caroline Sinders auf dem 32C3

Caroline Sinders auf dem 32C3

Das war es schon wieder mit dem Chaos Communication Congress. Während der Konferenz habe ich in Kollegengesprächen unter anderem bei SWR 1, Funkhaus Europa, WDR 5, Tagesschau 24 (Video Teil 1, Teil 2) und natürlich NDR Info und NDR.de berichtet.

Merkwürdige Vermehrung der Hamburger Fahrradhäuschen

Zwölfeckiges Fahrradhäuschen in Hamburg-Eimsbüttel | Foto: Fiete Stegers

Von der Stadt geförderte Fahrradunterstellmöglichkeit: Fahrradhäuschen vom Typ "Ottensen"


Vor einiger Zeit hatte ich mich aus persönlichem Interesse mit der Entwicklung der Zahl der Fahrradhäuschen in Hamburg beschäftigt. Meiner Meinung nach ein Vorzeigeprojekt – das in der Praxis aber trotz des Senats-Bekenntnisses „Hamburg wird Fahrradstadt“ eher stagniert, weil Anträge und Genehmigungen zurückgehen. Umso erstaunter war ich jetzt über die Statistik der vorhandenen Fahrradhäuschen im jüngst veröffentlichten Fortschrittsbericht Radverkehr 2015. Das Kapitel zu Fahrradhäuschen dort ist nahezu wortgleich mit demjenigen aus dem Vorgängerbericht von 2013 (gekürzt allerdings um den Abschnitt, in dem es um eine vom VCD zum Thema erstellte Broschüre geht). In der Statistik wurden die Zahlen der neuen Fahrradhäuschen für 2013 und 2014 in den sieben Hamburger Bezirken ergänzt.

Jahr M A E N W B H Summe
2011 2 1 10 0 0 0 0 13
2012 1 1 7 0 0 0 0 9
Summe 12 95 180 52 0 0 0 339
Jahr M A E N W B H Summe
2011 2 1 10 0 0 0 0 13
2012 1 1 7 0 0 0 0 9
2013 0 0 1 0 0 0 0 1
2014 1 1 1 0 0 0 0 3
Summe 19 101 220 53 1 0 0 392

Addiert man diese zum Stand des alten Berichts und vergleicht das Ergebnis mit der Gesamtzahl des neuen Berichts, stellt man fest, dass im Bericht 2015 plötzlich 49 zusätzliche Häuschen in der Statistik auftauchen.

2013 0 0 1 0 0 0 0 1
2014 1 1 1 0 0 0 0 3
Zwischensumme 1 1 2 0 0 0 0 4
Bericht 2013 12 95 180 52 0 0 0 339
addiert 13 96 182 52 0 0 0 343
Bericht 2015 19 101 220 53 1 0 0 392
Differenz der Berichte 6 5 38 1 1 0 0 49

Mit den mir bei meiner früheren Recherche von den Bezirken genannten Zahlen stimmt es auch nur teilweise überein. Irgendwo muss also ein Fehler unterlaufen sein.

Hamburger Fahrradhäuschen: Kaum neue Förderung

Zwölfeckiges Fahrradhäuschen in Hamburg-Eimsbüttel | Foto: Fiete Stegers

Von der Stadt geförderte Fahrradunterstellmöglichkeit: Fahrradhäuschen vom Typ "Ottensen"

Die Fahrradwege in häufig desolatem Zustand oder blockiert, ein Jahr als Umwelthauptstadt ohne nennenswerte bleibende Impulse: Es gibt vieles zu beklagen, wenn es um den Stellenwert des Fahrrads als Verkehrsmittel in Hamburg geht – aller Versprechungen der verschiedenen Senate zum Trotz. Positiv sticht neben dem stark genutzen, von der DB betriebenen Leihfahrrad-System vor allem eine Hamburger Innovation hervor: Die Stadt fördert die Aufstellung sogenannter Fahrradhäuschen auf öffentlichem Grund. Continue reading ‚Hamburger Fahrradhäuschen: Kaum neue Förderung‘

Kandidaten mit Diplom-Leerzeichen

In knapp vier Wochen ist Bürgerschaftswahl in Hamburg. Und interessanterweise spielt dabei auch die Berufsbezeichnung der Kandidaten eine gewisse Rolle. Und zwar nicht nur, weil der eine oder andere Wähler angesichts von zweimal fünf zu vergebenden Kreuzchen und langer Kandidatenlisten auch daran seine Entscheidung orientieren könnte, wenn man zwar eine Parteipräferenz, aber keine Ahnung von den Kandidaten hat (Fühle ich mich persönlich einem Studenten oder einer Juristin näher, einer Kauffrau oder einem Lehrer?).

Laut Abendblatt „tricksen Kandidaten bei der Berufsangabe„, um mit einer möglichst renommierten Beschäftigung Eindruck zu schinden.

„Die Landeswahlleitung kann die Angaben zum Beruf der Kandidatinnen und Kandidaten nicht auf inhaltliche Richtigkeit überprüfen“, zitiert das „Abendblatt“ den Wahlleiter. „Die Berufsangabe wird daher nur unter formalen Aspekten überprüft.“

Deren Rechtschreibung womöglich gar nicht. Das berüchtigte Deppenleerzeichen grassiert – gerade bei Kandidaten, die in ihrer Angabe besonderen Wert darauf legen, dass ihnen für ihren Beruf ein Diplom verliehen wurde. Für Sprachpuristen mag das ein weiteres Kriterium der Kandidatenauswahl darstellen. Daher hier eine die Übersicht der Kandidaten der Landeslisten mit falschem (Diplom-)Leerzeichen.

Bei den Berufsangaben der SPD-Kandidaten stehen zwei Fällen von Leerzeichen-Fehlern acht rechtschreiblich korrekte Diplom-Träger gegenüber. Bei der CDU ist das Verhältnis sogar eins zu neun (in diesem Fall ist der Nonkonformist ein „Kreativ Direktor“).

Die Grünen haben den höchsten Anteil falscher Leerzeichen unter den etablierten Parteien und die absolut größte Fallzahl insgesamt (fünf) – auch wenn dieser die gleiche Anzahl korrekter Diplomträger gegenübersteht. Bei der Linken gibt keiner der Kandidaten eine Berufsbezeichnung mit Diplom o. ä. an.

Bei den kleineren Parteien schlagen einzelne Leerzeichen-Setzer wegen der geringeren Anzahl der aufgestellten Kandidaten durch. So sorgt ein „Sped. Kfm. i. R.“ für die miese Quote der Rentner, eine „Diplom Soziologin“ sorgt für den fast ebenso schlechten Anteil bei der Hamburger Bürger-Liste.

Die Partei lässt einen „Diplom Verwaltungswirt“ und einen „Community Manager“ (gut, darüber kann man streiten) kandidieren. Für die AfD treten u. a. eine „Sales Managerin“ und ein „Dipl. Wirtschaftsjurist (FH)“ an.

Bei den Neuen Liberalen gibt trotz sage und schreibe 48 Kandidaten keinen Leerzeichen-Sünder, obwohl es mindestens drei Mal die Möglichkeit gegeben hätte. Auch die Piraten vermeiden falsche Leerzeichen. Jedoch herrscht parteiintern Uneinigkeit darüber, ob man sich „Softwareentwickler“ (zwei Kandidaten) oder „Software-Entwickler“ (ein Kandidat) nennt. Und ein „Software-Ingenieur“ tritt für die Piraten auch an.

Partei Kandidaten insgesamt Schreibweise mit falschem Leerzeichen Anteil falsches Leerzeichen an allen Kandidaten der Liste
SPD 60 2 5.00%
CDU 60 1 1.67%
Linke 17 0 0.00%
FDP 55 1 1.82%
Grüne 60 5 8.33%
AfD 30 3* 10.00%
Piraten 23 0 0.00%
NPD 6 0 0.00%
Partei 20 2* 10.00%
ÖDP 5 0 0.00%
Rentner 6 1 16.67%
Hamburger Bürger-Liste 7 1 14.29%
Neue Liberale 48 0 0.00%

* „Sales Managerin“ und „Community Manager“ wurden als falsch gezählt.

Quelle: Zählung im Muster-Stimmzettel für die Bürgerschaftswahl (offizielle Bekanntmachung der Kandidaten – teilweise horizionales PDF)

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Mit Smartphone-Videoclip aufs Filmfestival

Der freudige Anlass gestattet die etwas großsprecherische Überschrift: Meine mit dem Smartphone dokumentierte Randszene der Hamburger Demonstration vom 21. Dezember 2013 („Beamten-Ballet“) ist die Basis für den Trailer der 11. Dokumentarfilmwoche Hamburg geworden:

Die Veranstalter schreiben dazu:

Wir finden, dass er so manche Begebenheit der letzten Monate in dieser Stadt ganz gut und ohne weiteren Kommentar auf den Punkt bringt. Während des Festivals wird es allerdings nicht bei diesem einen Trailer bleiben. Nachdem Fiete Stegers den Clip nach der Demonstration vom 21.12.2013 auf seiner Homepage veröffentlicht hat, ging im Anschluss das große Remixen los. Die besten Remixe werden wir an den Festivaltagen an Stelle des Originals einsetzen und wer weiß – vielleicht kommen ja sogar jetzt noch welche dazu…