Archive for the 'Medien' Category

Überwachungsdebatte reloaded

Ganz großes Deja-vue:

Die Diskussion um Videoüberwachung hat sich kein Stück bewegt seit 2006, als Roman Mischel und ich “Alltag Überwachung” gedreht haben – sieht man mal von den verbesserten technischen Auswertungsmöglichkeiten (INDECT lässt grüßen) ab.

Alltag Überwachung (komplett) von Fiete Stegers und Roman Mischel bei Vimeo.

Und heute begegnete mir auf Facebook und Google Plus ein Zitat des ehemaligen Bundesverfassungsgerichtspräsidenten Ernst Benda, das aus einem Interview (leider zur Hälfte depubliziert) stammt, welches ich 2007 mit ihm geführt habe.“Einen Staat, der mit der Erklärung, er wolle Straftaten verhindern, seine Bürger ständig überwacht, kann man als Polizeistaat bezeichnen. Den Polizei- oder Überwachungsstaat wollen wir nicht. “

Raabs “Absolute Mehrheit”: Die Reaktionen im Netz …

Leistungsschutzrecht: Zeitungsverlage dürfen Google-Zoll erheben

Mehr von mir zum Thema im ZAPP-Blog.


Wordle: Gesetzentwurf Leistungschutzrecht

Der Elektrische Reporter erklärt das Leistungsschutzrecht

Anonyme Internet-Kommentatoren sind die schlimmsten, oder?

Für einen ZAPP-Beitrag über die Diskussion Realnamen vs. Anonymität bei Internet-Kommentaren hat mich der Kollege Daniel Bröckerhoff interviewt:

Quelle: NDR/ZAPP, Lizenz: Creative Commons BY-NC-ND

“Gilt als” ist schlechte Journalistensprache


Text“Der Mormone Romney gilt als Favorit, …” (Die Welt), “Die Rückkehr zur Drachme gilt als Horrorvision” (Die Presse), die Stadt Radda im Jemen “gilt als wichtiger Transit-Knotenpunkt” (Spiegel Online) und der Berliner Hauptbahnhof als “Meisterwerk der Ingenieure” (Tagesspiegel).

Aber “gilt als” gilt als ist in dieser Form schlechte Journalistensprache.

Im besten Falle bedeutet ein nacktes “gilt als”, dass der Schreiber/Sprecher zu faul ist, genauer anzugeben, für wen oder unter welchen Voraussetzungen A als B gilt. “Jüngsten Umfragen zufolge”? “In der gesamten Branche?” “Unter rothaarigen Polizisten mit Fußballinteresse?” “Laut FAZ” oder “Wikipedia zufolge”?

Häufig soll das “gilt als” aber verschleiern, dass es gar keine nähere Quelle für diese Einschätzung gibt – oder dass sie verschwiegen wird, weil der Schreiber/Sprecher ihr selbst nicht traut. Ein “gilt als” – diese leichte Distanzierung verleiht dem Journalisten den Anschein von Objektivität, während zugleich die beschriebene Zuschreibung durch nicht näher definierte Autoritäten schon fast umumstößlich ist. Sehr bequem – so wie die berühmt-berüchtigten “politischen Beobachter”, die der Journalist im Zweifel alles sagen lassen kann, was er will und sich unter eigenem Namen nicht traut.

Das Publikum hat keine vagen “gilt als” verdient. Stattdessen sollten Journalisten ihm sagen, wer genau etwas so betrachtet, oder noch besser, wie etwas ist. Oft genug sind die Fakten offensichtlich: In einem bestimmten Wahlkreis war die SPD historisch immer erfolgreich, in einer Region Afghanistans, in der Anschläge und Kämpfe stattfinden, sind die Taliban stark – alles Gerede von “gilt als Hochburg” verschleiert das nur. Einordnung statt Verschanzen hinter falscher Objektivität.


(Und jetzt Daumendrücken, dass mich jetzt niemand an eine eigene “gilt als”-Sünde der Vergangenheit erinnert).

Wie viel Prozent der Rügen des Presserats waren für Bild?