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Ein Wortlaut-Protokoll in 6 Variationen

Natürlich, Journalisten sind keine Stenographen und im Print-Journalismus ist das sprachliche Glätten von Zitaten Alltag. Aber es ist schon faszinierend, wie deutlich bei verschiedenen Medien die wörtliche Wiedergabe eines offenbar sehr einprägsamen Zusammenstoßes zwischen dem Vater des toten NSU-Terroristen Uwe Mundlos und dem Vorsitzenden Richter Götzl im Detail voneinander abweicht.

tagesschau.de:

Als Götzl ihn laut zurechtweist, wird Mundlos patzig und verlangt nicht nur als Doktor, sondern auch als Professor angeredet zu werden.

Süddeutsche.de:

Mundlos nennt Götzl später auch noch “arrogant”, und im Übrigen möchte er bitte mit “Herr Professor” angesprochen werden. Götzl bleibt jedoch bei der Anrede “Herr Doktor Mundlos”.

Stern.de:

“Sie könnten mich ruhig Professor Mundlos nennen.” Götzls Reaktion: “Nein, ich nenne sie Doktor Mundlos, ich nenne Sie bei Ihrem Namen.”

FAZ:

“Sie müssen mich Professor Mundlos nennen.“ – „Nein, das muss ich nicht Herr Dr. Mundlos.“ – „Doch das müssen Sie, ich bin durchaus berechtigt, den Titel noch zu führen.“

Spiegel Online:

Mundlos erbost: “Was fällt Ihnen ein, mich so anzugehen? Sie können mich ruhig Professor Mundlos nennen!”
“Ich nenne Sie Dr. Mundlos, das ist Ihr Name!”
Mundlos nennt Götzl später auch noch “arrogant”, und im Übrigen möchte er bitte mit “Herr Professor” angesprochen werden. Götzl bleibt jedoch bei der Anrede “Herr Doktor Mundlos”.

Welt:

“Nennen Sie mich gefälligst Professor Mundlos.” Götzl verweigert das, bleibt beim “Doktor”. Und wird prompt vom emeritierten Professor als arrogant bezeichnet.

Die Zeit geht auf diesen Teil des Wortwechsels gar nicht näher ein, die taz konzentriert sich auf den inhaltlichen Teil der Zeugenaussage.

Nachtrag
Das SZ-Magazin hat in Heft 1/2014 ein ausführliches Wortprotokoll großer Teile des Prozesses veröffentlicht. Die Szene darin: (gleiche Autoren wie sueddeutsche.de)

Götzl: Wieso haben Sie das nicht mit Ihrem Sohn besprochen?
Mundlos: Sie sind ein Klugsch…
Götzl: (Unterbricht.) Was fällt Ihnen ein! Mich so anzugehen! Noch einmal, und Sie müssen mit Ordnungsmitteln rechnen, Herr Doktor Mundlos.
Mundlos: Sie dürfen mich ruhig Professor nennen.

Was bedeuten Buzzfeed & Co für den Journalismus?

Daniel Bröckerhoff hat darüber für ZAPP einen Film gemacht. Und zusammen haben wir 8 Dinge, die Journalisten von BuzzFeed lernen können (und drei Sachen, die sie sich besser nicht abgucken) aufgeschrieben.

Nicht vorenthalten möchte ich dann aber zwei herausragende BuzzFeed-Beiträge der letzten Zeit, die so dann doch nicht überall stehen könnten:

Debatten-Reihe zur Netzneutralität bei ZAPP

Beim NDR Medienmagazin ZAPP haben wir eine Reihe zum Thema Netzneutralität gestartet. Nach der Einführung von mir kommt der erste Beitrag von Katharina Nocun, Politischer Geschäftsführerin der Piratenpartei: “Echtes Netz braucht Neutralität”. Sie befürchtet einen “radikalen Eingriff” in den “Lebensraum Internet”.

Guardian bereitet NSA-Affäre im Snowfall-Stil auf

Bildschirmfoto: Snowfall-Onepager zu Snowden-Enthüllungen beim Guardian

Warum sich anderem von dem Multimedia-Feature “NSA Files: Decoded” eine Scheibe abschneiden können, habe ich bei onlinejournalismus.de aufgeschrieben.

Scoopcamp, C3S, Topfvollgold, Musik und Big Data

Ein paar nachgetragene Beiträge von mir aus den letzten Wochen:

Ein Bischof fliegt (nach Rom)

… oder doch nicht? Bei den Kollegen des Hessischen Rundfunks las sich die Nachrichtenlage heute so:

Am Samstag um 16.35 Uhr sollte Bischof Tebartz-van Elst mit dem Lufthansa-Flug LH 238 nach Rom abheben, wie die “Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung” (FAS) am Samstag vorab berichtet hatte. Der Rückflug sei für Donnerstag geplant. Während sich am Samstagnachmittag immer mehr Journalisten am Frankfurter Flughafen einfanden, wuchsen aber die Zweifel daran, dass der Bischof den Flieger wie berichtet nehmen wird. “Der Bischof sitzt in seinem Arbeitszimmer”, sagte ein Sprecher von Tebartz-van Elst um 14.45 Uhr zu hr-online. Ob der Bischof noch am Samstag nach Rom fliegen werde, später, oder überhaupt, dazu wollte sich der Sprecher nicht äußern.

Zur Abflugzeit, um 16.35 Uhr, war der Sprecher des Bischofs telefonisch nicht mehr zu erreichen.

Besagter Lufthansa-Flug ist kurz vor Rom, wie sich bei Kenntnis der Flugnummer zum Beispiel via Flightradar24 verfolgen lässt. Ob der Bischof aber auch tatsächlich an Bord ist? Anders als im Fall von Edward Snowden gibt’s wohl noch kein Bild eines leeren Sitzes, das mitreisende Journalisten gemacht haben. Man kann sich also nur so seine Gedanken machen:

Screenshot [Montage] von SeatGuru, Bischofswappen aus Wikipedia unter Creative Commons BY-SA (kein Autor genannt)

Die Nachrichtenlage kann sich aber natürlich auch anders entwickeln.

Leistungsschutzrecht “vorerst” in der Versenkung

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